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Institut:   Institut für Erziehungswissenschaft
 
 
Aufgabe:  

Geschichte und Profil der Göttinger Pädagogik

Das Pädagogische Seminar, dessen Geschichte bis in die Gründungszeit der Georgia Augusta zurückreicht und in Johann Matthias Gesners Philologischem Seminar seine Wurzeln hat, bedient mehrere Studiengänge: den Lehramtsstudiengang für Gymnasien, den Magisterstudiengang Pädagogik und den Studiengang Diplomsozialwirt. In den ersten zweihundert Jahren ist die Lehrerbildung für die späteren Gymnasiallehrer das entscheidende Moment für die Pädagogik. Philologen - und Philologie als wichtiges Unterrichtsfach ist für die zukünftigen Gymnasiallehrer konstitutiv - und Philosophen nehmen sich der Pädagogik an, in Göttingen berühmte und die Pädagogik nachhaltig beeinflussende Gelehrte wie Johann Friedrich Herbart.

Unbenommen einer frühen fachlichen Orientierung an der Sozialpädagogik, wie Herman Nohl sie pflegte und wie sie in zahlreiche Dissertationen Eingang fand, blieb die enge Verbindung mit der Lehrerbildung, die das Fach bestimmte, bestehen. Eine Erweiterung kam 1960 mit dem Magisterstudiengang für Pädagogik im Haupt- und Nebenfach. Zugleich begann mit der Berufung von Heinrich Roth auf einen zweiten pädagogischen Lehrstuhl eine empirische Ausrichtung in der Pädagogik. Mit Klaus Mollenhauer wurde die Sozialpädagogik fortgesetzt, darüber hinaus aber auch die Diskussion um eine moderne Bildungstheorie, und nicht zuletzt wurden in den Forschungen von Hans-Georg Herrlitz empirische wie historische Aspekte aufgegriffen und weitergeführt.

In der Pädagogik in Göttingen wurden damit schon früh entscheidende Akzente gesetzt, die nichts von ihrer Bedeutung verloren haben: Bildungstheoretische Aspekte und historische Analyse bilden die Grundlagen für sozialpädagogische Fragen und Probleme des lebenslangen Lernens ebenso wie für Schul- und Bildungsforschung. Darüber hinaus öffnet sich das Pädagogische Seminar neueren interdisziplinären Entwicklungen wie beispielsweise der Gestaltung von Beratungsprozessen in unterschiedlichen pädagogischen Handlungsfeldern.

Lehre

Die Studiengänge

  • Lehramtsstudium für Gymnasiallehrer

  • Magisterstudiengang im Fach Pädagogik und

  • Studiengang Diplomsozialwirt

bilden die Grundpfeiler der Lehre im Pädagogischen Seminar. Diese umfassende Aufgabe wird so realisiert, daß sinnvolle Überlappungen genutzt werden, daneben aber auch in gesonderten Veranstaltungen auf die Erfordernisse der jeweiligen Studiengänge eingegangen wird. Ferner werden GymnasiallehrerInnen für das Unterrichtsfach Pädagogik ausgebildet.

Erstmalig im Wintersemester 2001 hat das Pädagogische Seminar außerdem einen

  • Intensivstudiengang Schulpädagogik und Didaktik angeboten.

Er qualifiziert Studierende, die bereits ein universitäres Studium abgeschlossen haben und eine lehramtsspezifische Qualifikation anstreben, für unterrichtende, forschende und beratende Tätigkeiten im Handlungsfeld Gymnasium. Dieser Studiengang hat einen modularisierten Aufbau.

Auch für das Magisterstudium wie den Lehramtsstudiengang wird derzeit eine Modularisierung erarbeitet: Im Mittelpunkt der Lehre steht ein Kerncurriculum, um das sich Spezifika einzelner Teilbereiche ranken sollen. Dabei ist die Lehre - vor allem in den Wahlbereichen - forschungsorientiert und steht in enger Beziehung zu den zahlreichen Forschungsarbeiten, die das Pädagogische Seminar auszeichnen.

Studentinnen und Studenten

Gegenwärtig sind an der Universität Göttingen fast 1900 Studierende für das Lehramt an Gymnasien immatrikuliert, die Zahl der Studierenden im Magisterstudiengang im Hauptfach beträgt 566, im Nebenfach 262. Im Promotionsstudium befinden sich 15 Studierende.

Unterschiedliche Forschungsbereiche mit nationaler und internationaler Reputation und verbunden mit einem hohen Drittmittelaufkommen prägen das Pädagogische Seminar:

In der Biographie- und Lebensweltforschung ist ein Forschungsverbund entstanden, in dem - auch in Kooperation mit anderen Universitäten - Einzelprojekte zusammengeschlossen worden sind. Thematisch konzentrieren sich die Arbeiten derzeit auf

  • grundlagentheoretische Bereiche der Bildungstheorie am Beispiel autobiographischer Quellen der frühen Moderne,

  • Probleme der Entwicklung national-kultureller Identitäten im mittelosteuropäischen Raum.

  • institutionelle und biographische Probleme der Einmündung von "Non-traditional students” in die Hochschulsysteme von sechs europäischen Ländern,

  • biographisches Lernen junger Frauen in den Statuspassagen zur Erwerbsarbeit.

Gemeinsamer Fokus dieser Forschungen ist die qualitative Methodologie, in deren Kontext auch die Arbeiten zur pädagogischen Hermeneutik und pädagogischen Phänomenologie stehen.

Einen zweiten Schwerpunkt bilden Arbeiten, die im Bereich historischer und empirischer Bildungsforschung anzusiedeln sind. Zur Zeit werden folgende Teilbereiche erforscht:

  • Berufsorientierung und Lebensplanung von Mädchen und Jungen,

  • politische Sozialisation von Jugendlichen,

  • Formen der Tradierung in der Erziehung,

  • Körper und Gewalt in der Erziehung des Nationalsozialismus.

Der historische Kontext findet sich ferner in Forschungen zur Geschichte der Disziplin: zu einzelnen Pädagogen und Pädagoginnen wie Herman Nohl oder Mathilde Vaerting, aber auch in der Erforschung von Institutionen wie derzeit der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.

Besonderes Gewicht kommt in diesem Forschungsbereich der Institution Schule zu, die unter verschiedenen Aspekten untersucht wird:

  • Schulentwicklung und LehrerInnenbiographien

  • Gymnasialdirektoren und -direktorinnen in der Nachkriegszeit

  • regionale Schulentwicklungsprozesse der Gegenwart

  • Schulentwicklung und Politikwechsel in historischer Perspektive,

  • Schularchitektur.

Ferner werden in Lehrforschungsprojekten konkrete Fragen des Unterrichts aufgegriffen und erforscht.

Im Kontext pädagogischer Anthropologie wird darüber hinaus das Problem der biologischen Voraussetzungen der Bildung und Erziehung analysiert.

Gegenwärtig baut das Pädagogische Seminar in Kooperation mit der Pädagogischen Psychologie und den Fachdidaktiken ein

"Zentrum für empirische Unterrichts- und Schulforschung" (ZeUS)

auf, das seine Arbeit im Wintersemester 2002/2003 beginnen wird. Zugleich wird ein Masterstudiengang entwickelt, de auf die Qualifizierung wissenschaftlichen Nachwuchses für empirische Unterrichts- und Schulforschung ausgerichtet wird.

In dem Schwerpunkt Pädagogische Beratung ist das Pädagogische Seminar durch Forschungen zu pädagogischen Beratungsprozessen für Individuen wie Institutionen ausgewiesen. Die Forschungsprojekte sind weitgehend praxisorientiert und decken derzeit folgende Themenbereiche ab:

  • Gesundheitsförderung in Grundschulen

  • Beratung von Jugendlichen zur Berufs- und Studienentscheidung (in Kooperation mit den Universitäten Monterrey und Mexiko City)

  • Persönlichkeitsentwicklung und transformative Lernprozesse im Erwachsenenalter

  • Innovationsforschung sowie Praxisentwicklungsforschung im Bildungsbereich

  • Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Familienbildung (u.a. auch Elterntraining)

  • Teamentwicklung in lernenden Organisationen

  • Supervision im Kontext organisatorischer Wandlungsprozesse

Kooperationen

Internationale Kontakte

Verschiedene Forschungsprojekte werden in Kooperation mit ausländischen Universitäten durchgeführt, u.a. mit Monterrey, Roskilde, Wroclaw, der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Darüber hinaus bestehen über bilaterale Verträge im SOKRATES-Programm der EU Kontakte zu 15 Universitäten in acht europäischen Ländern, die Möglichkeit zum Austausch für Lehrende und Studierende geben. Gegenwärtig sind dem Pädagogischen Seminar DoktorandInnen aus Ägypten, Dänemark, Italien, Korea, Mexiko und Norwegen assoziiert. Gemeinsam mit den Universitäten Kreta und Roskilde veranstaltet das Pädagogische Seminar eine jährliche International PhD Summer School in Anogia (Kreta).

In der Planung befinden sich ferner ein "Europäisches Graduiertenkolleg” zum Thema "Research in Life-Long-Learning” und eine Sommerschule mit der Pädagogischen Universität Petersburg.

Personal: